„Don Quijote hoy en día − Der Literaturklassiker als novela gráfica im Spanischunterricht“ von Caroline Fischer

Zu lang, zu kompliziert, zu alt − Literaturklassiker genießen im Spanischunterricht heutzutage keinen guten Ruf. Am Beispiel des Werks „Don Quijote de la Mancha“ soll aufgezeigt werden, inwiefern sie in Form einer novela gráfica schülernah behandelt werden können.

Im Rahmen meiner Abschlussarbeit für das Erste Staatsexamen für das Gymnasiallehramt habe ich mich 2022 mit der Frage auseinandergesetzt, inwiefern anhand der unterrichtspraktischen Auseinandersetzung mit einer novela gráfica im Rahmen des fortgeschrittenen Spanischunterrichts ein schülernaher Textumgang mit dem spanischen Klassiker „Don Quijote de la Mancha“ erzielt werden kann. Dafür wurden im Rahmen einer empirisch durchgeführten Unterrichtsreihe das Textverstehen der Lernenden, ihre Lesemotivation sowie die Förderung ausgewählter Aspekte der Text- und Medienkompetenz untersucht. In diesem Artikel soll anknüpfend an eine kurze Darlegung des didaktischen Potenzials von Klassikern und Graphic Novels ein Einblick in die konzipierte Unterrichtsreihe gewährt werden.

Das Potenzial des Literaturklassikers „Don Quijote de la Mancha“ für den Spanischunterricht

Wenn man Jugendliche danach fragt, welche Bücher sie in ihrer Freizeit gerne lesen, werden literarische Klassiker wie Goethes „Faust“ so gut wie nie genannt − sie erscheinen den SchülerInnen aufgrund ihrer historischen Distanz und der zumeist altertümlichen Sprache realitätsfern und in der Folge uninteressant (Palacios Gonzalez, 2011, S. 36). Im Folgenden soll anhand zentraler Kriterien (individuelle Relevanz für die Lernenden, ziel- und interkulturelle Relevanz, sprachliche Komplexität, Medienangebot) aufgezeigt werden, weshalb die Lektüre von Literaturklassikern wie dem „Don Quijote de la Mancha“ für den Spanischunterricht dennoch gewinnbringend sein kann.

Betrachtet man das Kriterium der individuellen Relevanz, sollte zunächst einmal bedacht werden, dass als Literaturklassiker bezeichnete Werke Texte darstellen, „die den Stil ihrer Zeit und ihren Zeitgeist überdauert, die ihre Gültigkeit bewahrt haben […] und noch immer gerne und oft gelesen werden“ (Löding, 2021) − in ihnen ist etwas angelegt, das für die menschliche Verfassung universell ist. Mithilfe bedeutungsvoller Transferleistungen auf aktuelle Gegenstände können die Lernenden dadurch ihr eigenes Verstehen und Handeln hinterfragen. Insbesondere die Figur des verarmten Landadeligen Alonso Quijano, der infolge eines übermäßigen Lektürekonsums von Ritterromanen den Blick für die Realität verliert und sich als Fahrenden Ritter unter dem Namen Don Quijote de la Mancha stilisiert, veranschaulicht ein überzeitliches menschliches Verhalten − die Flucht in eine Fantasiewelt aufgrund des realitätsverzerrenden Konsums eines fiktionalen Mediums:

Students may realize that their texting, tweeting, social media, and video games are not unlike what Don Quixote does with books: an obsession with a medium that allows one to escape into an alternative world. (Parr, 2015, S. 186)

Zudem steht das wohl bekannteste ,Abenteuer‘ des Ritters, der erfolglose Kampf gegen Windmühlen, für die zeitlose Gegenüberstellung von Wirklichkeit (Windmühlen) und Fiktion (Riesen) bzw. für den Kampf der realistischen und idealistischen Seite der menschlichen Natur.

Während Sancho Panza eine Windmühle sieht, meint Don Quijote einen Riesen vor sich zu haben

Daneben zeichnet sich der Roman zweifelsohne durch seine bedeutende ziel- und interkulturelle Relevanz aus: Wie viele klassische Texte gewährt er einen spannenden Einblick in die historische Epoche seiner Entstehungszeit, in diesem Falle in die historischen Verhältnisse des für die spanische Geschichte bedeutsamen Siglo de Oro. Gleichzeitig zeichnet sich das Werk durch eine nach wie vor beobachtbare Omnipräsenz in der spanischen Alltagskultur aus: zahlreiche Straßen, Plätze und Hotels tragen den Namen Don Quijotes und seines Knappens Sancho Panza und sind durch ihre Abbilder geschmückt. Zudem können nach wie vor zahlreiche intertextuelle Wiederaufnahmen der Abenteuer Don Quijotes in Literatur, Film, Werbekampagnen und politischen Diskursen beobachtet werden, welche das Wissen um den Roman erforderlich machen, um einen kompetenten Umgang mit fremdsprachlichen Medien zu ermöglichen. Und auch die in sozialen Netzwerken beliebten Phrasen ser quijotesco und luchar contra molinos de viento zeigen, dass das Wissen um grundlegende Aspekte des cervantinischen Meisterwerks Lernenden in fremdsprachlichen Kommunikationssituationen von großem Nutzen sein kann. Es soll jedoch nicht verschwiegen werden, dass Klassiker hinsichtlich des Kriteriums der sprachlichen Komplexität zumeist nicht gut wegkommen. Angesichts der Tatsache, dass die meisten SchülerInnen aufgrund des späten Einsetzens der Fremdsprache Spanisch nur über relativ kurze Sprachlernstrecken verfügen, stellen insbesondere die syntaktische Komplexität und die Dichte der unbekannten sowie archaischen Lexik von Klassikern wie dem „Don Quijote“ auch für Lernende des fortgeschrittenen Spanischunterrichts eine besondere Herausforderung dar. Hinzu kommt die äußerst umfangreiche Textlänge des Romans, dessen 126 Kapitel in gängigen Editionen bis zu 1200 Seiten umfassen und eine integrale Lektüre utopisch erscheinen lassen.

Diese Aspekte sollten aber keineswegs gegen eine Lektüre des Klassikers sprechen. Während der Problematik der Textlänge durch eine punktuelle Auseinandersetzung mit repräsentativen Textausschnitten begegnet werden kann, könnte die sprachliche Komplexität mithilfe des überaus breiten Medienangebots des „Don Quijote“, welches von Lektürehilfen über Verfilmungen bis eben hin zu Graphic Novels reicht, aufgefangen werden.

Klassiker als Literaturcomics− oder „Don Qujiote de la Mancha“ als novela gráfica

Wirft man einen Blick in aktuelle Spanischlehrwerke und Lektüreempfehlungen, wird die steigende Präsenz sowohl von Kurzcomics als auch von längeren Graphic Novels[1] unmittelbar ersichtlich. Innerhalb der Text- Bild-Kombinationen, die nach wie vor einen festen Bestandteil der Kinder- und Jugendliteratur darstellen, kommt dem Genre des Literaturcomics eine immer bedeutendere Rolle zu. Dieses Genre, das trotz der Bezeichnung Comic auch im Graphic-Novel-Format auftreten kann, bezeichnet die Transformation eines literarischen Textes in das Comicformat, wobei die Relation zwischen literarischer Vorlage und Comicadaption von einer weitgehenden Nachahmung bis zu großen Veränderungen reichen kann (Schmitz-Emans, 2016, S. 276). Analog zu lecturas adaptadas ermöglichen Literaturcomics „aufgrund der reduzierten verbalsprachlichen Textanteile“ (Hallet, 2012, S. 3) sowie der kontextualisierenden Comicbilder Vereinfachungen literarischer Klassiker. Ihre Möglichkeit, längere narrative Passagen in wenige, visuell ansprechende Bilder auflösen zu können, fungiert dabei nicht nur als Verständnishilfe, sondern trägt zugleich zu einer wesentlichen Förderung der Lesemotivation sowie des literarischen Interesses insbesondere sprachlich schwächerer SchülerInnen bei. In Bezug auf den „Don Quijote“ als novela gráfica bestätigt Onieva López:

a tráves del cómic, los alumnos podrán trabajar la obra del Quijote de una forma más estimulante y motivadora, analizándola y estudiándola desde una perspectiva más lúcida, práctica y creativa. (2015, S. 153 − 154)

Darüber hinaus regen Literaturcomics mehrkanaliges Lernen an und ermöglichen aufgrund ihres kreativen Potenzials antes, durante und después de la lectura vielfältige Sprech- und Schreibanlässe, wie im Kontext der konzipierten Unterrichtsreihe zu sehen sein wird.

Dass die Transformation eines Klassikers in das Comicformat allerdings auch Herausforderungen mit sich bringt, zeigen Martíns harsche Worte gegen viele „Quijote“-Comics:

En general son malas adaptaciones, que traicionan el espíritu y la letra de la obra de Cervantes sin que tampoco se logren cómics medianamente aceptables en su lenguaje ni tampoco en su expresión gráfica. (2005)

Mit dem Aspekt der lenguaje referiert Martín auf die sprachliche Vereinfachung des Originaltextes, welche in der fremdsprachendidaktischen Forschung bis heute einen großen Streitpunkt darstellt. Denn während sprachliche Kürzungen, Substitutionen und Modifizierungen das Leseverstehen sowie die Lesemotivation einerseits unterstützen können, führen sie zugleich zu ‚Verfälschungen‘ auf sprachlich-stilistischer, inhaltlicher und erzähltechnischer Ebene. Dadurch besteht das Risiko, dass die Gedanken- und Gefühlswelt von Figuren lediglich oberflächlich dargestellt werden, wodurch komplexe Charaktere wie der Don Quijote zu einseitigen Stereotypen verflachen könnten. Diese Problematik kann durch die expresión gráfica sogar noch verstärkt werden. Auch wenn die SchülerInnen zu aktiv-interpretierenden Rezipienten werden, wenn sie mithilfe ihrer Vorstellungskraft die statischen Bildfolgen eines Comics zu einem ‚lebendigen‘ Prozess zusammenführen, steht außer Frage, dass die konkrete Visualisierung von Plot und Figuren den Lesenden ein festes Bild präsentiert − im Falle des Don Quijote zumeist das eines komischen, lächerlichen Wahnsinnigen. Zwar werden bei der im Rahmen der entwickelten Unterrichtsreihe verwendeten Graphic Novel „The Complete Don Quixote“ (Davis, 2015)[2] Farben, Mimik und Gestik differenziert eingesetzt und somit die komplexe Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten bzw. „esa mezcla de seriedad y caricatura“ (Jiménez 2014) durchaus veranschaulicht, dennoch kann Thalers Vorwurf der bild-induzierten Lähmung der Fantasie (2005, S. 37) bzw. der Behinderung der Entwicklung einer eigenen, differenzierten Figurenwahrnehmung nicht geleugnet werden.

Auch das Cover der Graphic Novel „Don Quijote“ von Rob Davis (2015) veranschaulicht Don Quijotes Stilisierung zum Ritter

Diese Kritikpunkte sollten bei der Arbeit mit dem „Don Quijote“ in Form einer novela gráfica definitiv berücksichtigt werden. Sie stellen jedoch keinesfalls ein Ausschlusskriterium dar, sondern können sogar eine Bereicherung für die Arbeit mit einer Comicadaption sein: Anhand des Vergleichs eines Ausschnittes einer adaptierten novela gráfica mit dem Originaltext können die Lernenden die Vor- und Nachteile von Comicadaptionen bewusst reflektieren und im Falle von Cervantes’ Roman diskutieren, inwieweit eine Comicadaption der Ambivalenz der Figur des Don Quijote gerecht werden kann.

Don Quijote hoy en día − Eine aufgabenorientierte Unterrichtsreihe

Im Folgenden soll anhand der Darstellung ausgewählter Beispiele aufgezeigt werden, wie die unterrichtspraktische Auseinandersetzung mit der novela gráfica „Don Quijote“ konkret aussehen kann. Die Beispiele entstammen einer zwölf Unterrichtsstunden umfassenden Unterrichtsreihe, welche im Juni 2022 mit einem Spanischgrundkurs der 11. Jahrgangsstufe eines Hallenser Gymnasiums erprobt wurde. Die Unterrichtsreihe orientierte sich dabei an dem Konzept des task-based language learning and teaching (TBL) bzw. des enfoque por tareas, sodass eine tarea final bzw. eine zentrale Lernaufgabe als thematisch orientierte Rahmenaufgabe im Mittelpunkt stand. Diese wurde anhand einzelner Module vorbereitet, welche die Auseinandersetzung mit einzelnen Ausschnitten der novela gráfica in Form von antes-, durante– und después-de-la-lectura-Aufgaben begleiteten (Ficha de trabajo M1, im Downloadbereich).

Ein Mann, der ein Ritter sein möchte − Die textanalytische Auseinandersetzung mit dem Comicbeginn

Nach dem Einstieg in die Unterrichtsreihe, bei welchem die SchülerInnen anhand von Gemälden, Comicbildern, Kinoausschnitten und Instagramstories auf die mediale und visuelle Präsenz sowie Aktualität des „Don Quijote“ aufmerksam gemacht wurden, erfolgte zunächst die Auseinandersetzung mit dem Textbeginn der novela gráfica. Auf neun Seiten erfuhren die Lernenden hierbei, wie der verarmte Landadelige Alonso Quijano durch den Konsum von Ritterromanen den Verstand verlor und sich selbst zu dem Ritter Don Quijote de la Mancha stilisierte.

Nach der eigenständigen Lektüre der ausgewählten Comicseiten sowie der Sicherung des globalen Textverständnisses anhand von Multiple-Choice-Fragen wurden die SchülerInnen im Kontext der durante-de-la-lectura-Phase in die Comicanalyse eingeführt, wobei der gelesene Comicbeginn in seiner multimodalen Verfasstheit analysiert wurde. Hierfür erhielten die Lernenden im Sinne des TBL-Ansatzes die Möglichkeit, ihren Lernprozess eigenständig zu gestalten, indem sie eine von drei differenziert angelegten Wahlaufgaben auswählen konnten (Ficha de trabajo M2, im Downloadbereich): Die erste Wahlaufgabe bestand darin, sich anhand der Analyse der Gestik und Mimik des Protagonisten mit seiner Selbstkonstitution als Ritter und der damit verbundenen Thematik der Parodie der Ritterromane auseinanderzusetzen. Die zweite Wahlaufgabe sah eine explizite Beschäftigung mit den Gestaltungsmitteln angulación und plano anhand der Analyse einzelner Comicpanels vor, während die dritte Aufgabe die grafische Repräsentation von Cervantes als unsichtbare Erzählerfigur hinter einem Gefängnisfenster thematisierte. Indem die SchülerInnen somit bei jeder Aufgabe die Wirkung unterschiedlicher comic-spezifischer Gestaltungsmittel erkennen und deuten sollten, wurden ihre multimodalen Fähigkeiten[3] rezeptiv gefördert.

Die SchülerInnen arbeiteten zunächst je nach Präferenz allein, zu zweit oder in Kleingruppen an einer Wahlaufgabe und tauschten ihre Ergebnisse anschließend mit zwei MitschülerInnen, die jeweils eine andere Wahlaufgabe bearbeitet hatten, aus.

Der Kampf gegen die Windmühlen − Un cómic sin texto

Der zweite und letzte Comicausschnitt, welcher vor der Bearbeitung der tarea final behandelt wurde, thematisierte Don Quijotes bekannten Kampf gegen die Windmühlen. Anknüpfend an die Einführung von Quijotes treuem Wegbegleiter Sancho Panza erhielten die SchülerInnen den ihnen noch unbekannten Comicausschnitt der Windmühlenszene mit textentleerten Sprechblasen.

Die Lernenden sollten die textentleerten Sprechblasen anhand der Auseinandersetzung mit der Wirkung der visuellen Gestaltungselemente kreativ füllen. Da die SchülerInnen im Rahmen dieser Aufgabe ihre multimodalen Fähigkeiten sowohl rezeptiv im Zuge der Deutung der visuellen Darstellung als auch produktiv hinsichtlich der aktiven, sinnstiftenden Ergänzung der Panels weiterentwickelten, erfolgte eine Progression der Förderung ihrer multimodalen Fähigkeiten sowie eine wichtige Vorbereitung auf die tarea final. Im Kontext dieser Methode, welche Thaler als ballon filling bezeichnet (vgl. 2005, S. 41), wurde durch das eigene literarische Schreiben zudem das aktive Hineinversetzen in die Denk- und Verhaltensweisen der Figuren verlangt, wodurch ein Perspektivenwechsel angeregt wurde.

Auch im Kontext dieses Moduls wurde binnendifferenziert gearbeitet, indem die halbe Lerngruppe mit der novela gráfica von Rob Davis arbeitete, während die andere Hälfte die Windmühlenszene der novela gráfica von Stavans und Weil (2018) ebenfalls mit textentleerten Panels erhielt (Ficha de trabajo M3, im Downloadbereich): Da die Comicversion von Stavans und Weil die Unterscheidung zwischen Sanchos realistischer Sichtweise und Don Quijotes illusionärem Fanatismus grafisch präziser darstellt, wurde davon ausgegangen, dass es leistungsschwächeren Lernenden leichter fiel, mit diesem Text zu arbeiten. Daneben eröffnete die Arbeit mit zwei verschiedenen Comicversionen die Möglichkeit einer Gegenüberstellung: Anknüpfend an das Füllen der Sprechblasen verglichen jeweils zwei SchülerInnen, die sich mit verschiedenen Comicversionen auseinandergesetzt hatten, die von ihnen produzierten Sprechblaseninhalte miteinander und wurden in diesem Prozess darauf aufmerksam, dass mögliche Unterschiede ihrer Textversionen aufgrund der grafischen Gegensätze der novelas gráficas begründet wurden. Hierbei wurde den SchülerInnen explizit vor Augen geführt, welchen Einfluss grafische Gestaltungsmittel auf die Wahrnehmung der Figuren und die Interpretation der Handlung haben.

Abschließend erhielten die Lernenden die Aufgabe, den fokussierten Comicausschnitt in der originalen Version von Davis zu lesen und mit ihren literarischen Produkten zu vergleichen.

Die tarea final Don Quijote hoy en día

Im Rahmen der die Unterrichtsreihe abschließenden tarea final „Don Quijote hoy en día“ (Ficha de trabajo M4, im Downloadbereich) erhielten die SchülerInnen den Auftrag, mithilfe des Onlineprogramms Pixton oder selbst zeichnend in Kleingruppen einen eigenen Comic zu entwerfen, bei welchem die Protagonisten Don Quijote und Sancho Panza hoy en día bzw. in der Lebenswelt der SchülerInnen auftreten:

Cada año se celebra el Premio Nacional del Cómic en España. Allí varios artistas presentan sus cómics y novelas gráficas y un jurado elige a un ganador. Este año hay un tema especial: Don Quijote hoy en día. Cread para esta competición un cómic que presente una versión moderna del Quijote. Utilizad vuestros conocimientos sobre la novela gráfica y prestad atención a los recursos gráficos y sus efectos. Preparad también una presentación en la que reflexionéis sobre vuestras decisiones con respecto al contenido y a los recursos gráficos utilizados. Vais a presentar vuestros cómics entonces delante de la clase que va a decidir qué cómic vais a mandar al Premio Nacional del Cómic.

Im Mittelpunkt der Aufgabe, welche durch den situativen Rahmen des real existierenden Wettbewerbs Premio Nacional del Cómic eine möglichst authentische Anwendungssituation darstellen sollte, stand die Förderung der multimodalen Kompetenz der Lernenden, welche durch die vorangehenden Aktivitäten trainiert wurde. Für die SchülerInnen bestand die Herausforderung darin, die im Rahmen des Unterrichtsgeschehens rezipierten Textausschnitte der novela gráfica „Don Quijote“ durch das Verfassen eines eigenen kreativen Comics zu interpretieren und weiterzuführen. Hierbei sollten wesentliche Charakteristika der beiden Protagonisten sowie grundlegende Handlungselemente beibehalten werden, um auf diesem Wege das Textverstehen der Lernenden überprüfen zu können. Zudem sollte anhand der Gestaltung und Reflexion der Schülercomics erkannt werden, inwieweit es den Lernenden gelang, kennengelernte comicspezifische Gestaltungsmittel bewusst anzuwenden und somit ihre Wirkung erkennen, deuten und bewerten zu können.

Die tarea final abschließend, evaluierten die SchülerInnen die inhaltliche und grafische Qualität ihrer Comics in Form eines Gallery Walks sowie mithilfe eines Kriterienkataloges gegenseitig und ordneten sich wie bei einem realen Wettbewerb Punkte zu, sodass am Ende der Unterrichtsreihe ein Gewinnercomic ‚gekrönt‘ werden konnte.[4]

„Don Quijote de la Mancha“ als novela gráfica – ein schülernaher Textumgang?

Diese Frage konnte ich im Rahmen meiner Staatsexamensarbeit eindeutig positiv beantworten. Sowohl die Ergebnisse eines von den SchülerInnen in Anschluss an die Unterrichtsreihe ausgefüllten Fragebogens als auch die von den Lernenden unter dem Motto Don Quijote hoy en día selbst erstellten Schülercomics demonstrierten, dass ihr Textverständnis in Bezug auf den spanischen Literaturklassiker anhand der verwendeten novela gráfica gefördert werden konnte. Insbesondere das Vorhandensein von Bildern sowie die geringe Textmenge der novela gráfica schätzte die Mehrheit der Lernenden hierbei als äußerst unterstützend ein.

Daneben konnte auch die Motivation der SchülerInnen, sich mit einem spanischen Literaturklassiker zu beschäftigen, mithilfe der verwendeten novela gráfica in besonderem Maße gefördert werden. Neben dem Vorhandensein von Bildern und der geringen Textmenge zählten die Lernenden insbesondere die allgemeine Beliebtheit von Comics sowie die Neuheit der Methode der Comicerstellung als Gründe auf, weshalb ihnen die Lektüre der novela gráfica Spaß gemacht hat.

Darüber hinaus konnte anhand der unterrichtspraktischen Auseinandersetzung mit der gewählten novela gráfica die multimodale Kompetenz der SchülerInnen gefördert werden. Fast alle selbst erstellten Schülercomics zeichneten sich durch einen klaren, logisch nachvollziehbaren Aufbau sowie den kompetenten Einsatz verschiedener comicspezifischer Gestaltungsmittel aus, welche die Ambivalenz des Don Quijote aufgriffen. Lediglich die Herausforderung, eigene Deutungs- und Produktionsprozesse zu reflektieren, gelang den meisten Lernenden noch nicht in überzeugendem Maße.

Zusammenfassend kann somit konstatiert werden, dass anhand der unterrichtspraktischen Auseinandersetzung mit einer novela gráfica im fortgeschrittenen Spanischunterricht insgesamt ein schülernaher Textumgang mit dem spanischen Klassiker „Don Quijote de la Mancha“ erzielt werden konnte. Die unterrichtspraktische Auseinandersetzung mit Literaturklassikern in Form neuer, multimodaler Medien sollte daher weiter erprobt werden, um „motivierende und zum Teil wohl auch für die Lehrenden überraschende Blickwinkel auf die Werke des traditionellen literarischen Kanons“ (Schüwer, 2005, S. 7) zu eröffnen.

Endnoten

[1] Die knapp 300 Seiten umfassende Graphic Novel wurde 2015 zurück ins Spanische übersetzt und zeichnet sich neben einer hohen sprachlichen Authentizität durch eine innovative Gestaltung aus, welche die erzählerische Komplexität des Romans medienspezifisch aufgreift.

[2] Die knapp 300 Seiten umfassende Graphic Novel wurde 2015 zurück ins Spanische übersetzt und zeichnet sich neben einer hohen sprachlichen Authentizität durch eine innovative Gestaltung aus, welche die erzählerische Komplexität des Romans medienspezifisch aufgreift.

[3] Die multimodale Kompetenz, welche der Text- und Medienkompetenz zugeordnet wird, bezeichnet die Fähigkeit, im Rahmen von mehrfach codierten Textformen das Zusammenspiel von Text und Bild erkennen, verstehen und interpretieren sowie Text-Bild-Kombinationen selbst bewusst produzieren zu können (Elsner 2013b, S. 200).

[4] Das Gewinnercomic befindet sich auf Seite 61 in diesem Artikel.

Bibliografie

  • Davis, (2015). Don Quijote. De Miguel de Cervantes. Adaptado e ilustrado por Rob Davis. Traducido por José C. Vales. Ediciones Kraken.
  • Elsner, (2013). Pop! Wow! Zoom! Mit graphic novels fremdsprachliche literacies fördern. In: A. Grünewald, J. Plikat & K. Wieland (Eds.). Bildung − Kompetenz − Literalität. Fremdsprachenunterricht zwischen Standardisierung und Bildungsanspruch (p. 194 − 205). Klett/Kallmeyer.
  • Hallet, W. (2012). Graphic Novels. Literarisches und multiliterales Lernen mit Comic-Romanen. Der fremdsprachliche Unterricht Englisch, 117, p. 2−8.
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  • Löding, T. (2021). Was ist ein Klassiker? Literatur-Klassiker erklärt in 5 Kategorien. LIWI. Literatur- und Wissenschaftsverlag. https://liwi-verlag.de/was-ist-ein-klassiker/ (Zugriff: 04.09.2022)
  • Martín, A. (2005). Los cómics de El Quijote en España, en el cuarto centenario. Tebeosblog. http://www.tebeosfera.com/1/Documento/Recorte/CLIJ/LosComics/deElQuijote.htm (Zugriff: 04.09.2022)
  • Onieva López, J. L. (2015). El Quijote en el cómic. Propuestas didácticas a través de webs y aplicaciones online. CAUCE. Revista Internacional de Filología, Comunicación y sus Didácticas, 38, p. 143 − 155.
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  • Stavans, I. & Weil, R. (2018). Don Quixote of la Mancha. In Spanglish. The Pennsylvania State University Press.
  • Thaler, E. (2005). The Bard goes cartoon. Die Verwendung von Shakespeare-Comics. Der fremdsprachliche Unterricht Englisch, 73, p. 37 − 43.

Zur Autorin

Caroline Fischer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin im Bereich der Didaktik der romanischen Sprachen an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Zudem unterrichtet sie die Fächer Spanisch und Deutsch an einem Gymnasium in Halle.

Materialien:

  • Don Quijote hoy en día – Fichas de trabajo

    23.01.2026